Montag, 9. Mai 2022

WALDBADEN - Wasserlehrpfad Bad Peterstal-Griesbach, Schwarzwald

Mischwald am Wasserlehrpfad, Foto: Wiesegenuss

Abends nach Feierabend - was gibt es schöneres als ein Bad zu nehmen? Ein Erholungsbad in kühlem Wind mit Fichtennadelduft, Kräutern und Frühlingsblüten. Stichwort WALDBADEN mit KRÄUTERKUR. Der Weg heißt Wasserlehrpfad und ist mit vielen interessanten Infotafeln zum Thema Wasser beschildert. Die Wassertretstelle am Wendelsberg und die Kneippanlage an der Rench laden auch zum echten Baden ein. Zumindest zu einem Fußbad oder ein Armbad. Im Sommer eine echte Erfrischung. Doch jetzt, Ende April, war es uns noch ein wenig zu kühl. Schön ist, dass es nun schon wieder bis abends nach acht Uhr hell ist. So wandern wir durch den Tannenwald in den Sonnenuntergang hinein. Wenn wir in unserer Wohnung in Bad-Peterstal sind, können wir direkt vom Lärchenweg aus loslaufen. Link zu unserer Wanderung in Komoot.
Alternativ geht man vom Bahnhof aus ein wenig den Berg hoch und biegt dann rechts ab in den Wald. Unten noch eine Wegbeschreibung des "offiziellen" Weges ab der Touristeninformation über den Brunnentempel.

Eine Wegbeschreibung in Bildern

Vom Lärchenweg in Peterstal geht es direkt in den Wald hinein und erstmal kräftig bergauf, bis man fast aus der Puste ist. Links geht der Weg zum Café Waldfrieden, wir folgen dem Hauptweg rechts. 

Alle Fotos: Ute Mangold (wiesengenuss) und Michael Ruppert


Bach am WendelsbergNun geht es wieder sanft bergab zur ersten Erfrischung an einem kleinen Bach. Der Wassertretstelle am Wendelsberg, ein Kneippanlage mit einem Wassertretbecken und Armbecken 

Laut wikipedia ist: "Kneippen ist eine Behandlungsmethode der Hydrotherapie, die auf der Grundlage von Sebastian Kneipp angewendet wird. Hierbei wird in kaltem Wasser auf der Stelle geschritten. In Armbecken werden die Arme bis zur Mitte der Oberarme ins kalte Wasser getaucht."

Und hier ein Link zur Wanderung in Komoot


Der Weg schlängelt sich dann weiter den Berg hinauf durch den Laubwald hinein in den Tannenwald. Am Wegesrand überall Infotafeln und Bänke mit schönen Ausblicken, die zum Verweilen einladen. 

Weiter unten dominieren noch die Laubgehölze wie die Rotbuche (Fagus sylvatica), während weiter oben die Tannen und Fichten immer mehr zunehmen bis die von Tannen dominierte Nadelwaldstufe beginnt. Tannen und Fichten sehen zwar auf den ersten Blick sehr ähnlich aus, doch bei der Tanne verlaufen die Nadeln am Zweig parallel, während bei der Fichte die Nadeln rundum wachsen.



Es kommen wieder eine Abzweigungen, doch wir folgen dem Schild mit dem symbolisierten Brunnentempel nach und gehen weiter links hoch Richtung Wendelsberg (siehe unten).

Nun kommen wir in einen Bereich, in dem gerade frisch einige Tannen und Fichten gefällt wurden oder durch die Winterstürme umgefallen sind. Teilweise liegen sie noch über dem Weg oder mit herausgerissenen Wurzelstock am Hang. Auf den ersten Blick ist dieser Bereich ein wenig erschreckend, doch wenn man genauer hinschaut erkennt man kleinere Waldinseln mit natürlich gewachsenem Jungwuchs. Sogenannte Plenterwaldstücke . Wenn die dichten Kronen der Nadelbäume durch Sturm und oder forstwirtschaftliche Maßnahmen aufgelockert werden und wieder Licht auf den Boden kommt, haben Laubbäume wie Buchen und Ahorn wieder eine Chance nachzuwachsen. 


🌲....Kurzes Innehalten, um dem Rauschen des Windes in den Kronen der
großen Nadelbäume am Wendelsberg zu lauschen.....🌲

Schließlich kommt man zu einer roten Bank mit Aussicht auf die Landschaft. Den Blick erstmal genießen. Bevor man der asphaltierten Straße ein paar Meter hinunter folgt, um dann rechts hoch einen kleinen Pfad in den Wald zu nehmen. Links säumen Holzstapel den Weg und man kommt an eine Weggabelung, an der man die Straße nach Peterstal hinunter überquert und gerade aus wieder in den Wald geht. 


Nun geht es ein Stück weiter auf dem asphaltierten Weg durch stattliche Bäume hindurch. Ein dichter Wald der an der Nordostflanke des Berges geschützt von größeren Stürmen wächst. Hauptsächlich Tannen wachsen hier, da sie es gerne feucht und kühl mögen. Im Unterwuchs einige Buchen, die einen ähnlichen Anspruch an das Mikroklima haben. 

Nach ein paar hundert Metern kommt links eine Abzweigung runter in das Tal eines Baches, die man nicht verpassen sollte. Hier auch wieder dem Symbol des Brunnentempels folgen. Der Waldweg macht einige Kurven bis man wieder auf einen Forstweg mit einer Hütte kommt. Rechts der Bach. 

Am Wegesrand und im feuchten Tal wachsen viele essbare Kräuter wie die Knoblauchsrauke, das Wiesenschaumkraut, Sauerklee, die Goldnessel und der Gundermann












Ein Genuss mit allen Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen.... und Schmecken. 

Wenn man mit offenen Sinnen durch den Wald geht, ist so ein Waldspaziergang wahrlich ein Genuss, der alle Sinne anregt. Doch was ist mit Fühlen gemeint. Das Grün der Bäume beruhigt die Sinne, der Blutdruck sinkt, man fühlt sich erholt und erfrischt. Doch nicht nur dieses Fühlen ist gemeint, auch der Tastsinn ist angesprochen. So kann mit geschlossenen Augen, die unterschiedliche Textur der Rinde wahr genommen werden. Die Buche mit ihrer eher glatten Rinde, Tanne und Fichte fühlen sich da schon viel rauher an und der Stamm einer Kiefer ist ganz zerfurcht. Während man die Bäume kräftig anfassen kann, so streichen die Hände eher sanft an den Blättern der Kräuter und Gräser entlang des Wegesrandes vorbei. Einzelne Blättchen können gepflückt und leicht zerrieben, bis man den Duft der Kräuter wahrnimmt. Und manche sind sogar essbar. So zum Beispiel die Knoblauchsrauke. Wie ihr Name schon sagt, riecht sie nach Knoblauch. Ihr Duft ähnelt dem bekannten Bärlauch, doch ist er viel zarter und die Blättchen eignen sich eher als Beilage in einem Salat oder frisch auf einer Suppe. Mehr dazu in meinem Kräuterblog unter dem Stichwort Knoblauchsrauke 

Mehr für das Auge, aber nicht essbar sind diese Pflanzen hier am Wegesrand. Die gelbe Sumpfdotterblume (giftig!), das blaue Vergissmeinnicht, der rosa Schlangenknöterich, der aussieht wie eine Orchidee und ein kleiner weißer Kreuzblütler, vielleicht eine Garten- oder Senfrauke. Wobei diese eigentlich schon wieder essbar ist, aber doch eher scharf und bitter wie der Name "Senf" schon sagt.


 


Am Ausgang des Tals geht es wieder ein Stück hinauf und man wird mit einem wunderschönen Blick ins Renchtal belohnt. In der Abendstimmung natürlich noch schöner. 




Sophienquelle mit Brunnentempel, Foto: Waldeslust
Wegbeschreibung und Karte auf der Seite des Schwarzwaldvereins:

Wenn wir in unserer Wohnung in Bad-Peterstal sind, können wir direkt vom Lärchenweg aus loslaufen. Alternativ geht man vom Bahnhof aus ein wenig den Berg hoch und biegt dann rechts ab in den Wald. Unten noch eine Wegbeschreibung des "offiziellen" Weges ab der Touristeninformation über den Brunnentempel.

Geparkt wird nördlich der Touristeninformation, alternativ am Rathaus. Der Startpunkt des Wasserlehrpfades liegt etwas unterhalb des Brunnentempels. Der Lehrpfad informiert auf 17 Infotafeln entlang des Weges über die verschiedenen Facetten des Wassers. So z. B. prägt das Vorkommen des natürlichen Mineralwassers die Region (Peterstaler Mineralquellen GmbH). Doch der Pfad möchte auch mahnen, mit dem kostbaren und knappen Wasser verantwortungsvoller umzugehen. Obwohl wir große Mengen Wasser auf der Erde haben, sind nur 0,3% davon als Trinkwasser nutzbar.

Infotafel, Wasserlehrpfad



Die Themen der Infotafeln sind:

  • Natürliches Mineralwasser,
  • das ehemalige Bad Petersthal und seine Quellen,
  • ohne Wasser kein Leben Wasser und Wald,
  • Pflanzen am Bach,
  • der Wildbach,
  • Entstehung von Quellen ,
  • Wasser und Menschheitsgeschichte,
  • Trinkwasserversorgung,
  • Wasserschutzgebiete,
  • Gefährdung des Trinkwassers,
  • Der Kreislauf des Wassers,
  • Heilwasser (Freyersbacher Mineralquellen),
  • Oberflächenwasser- Grundwasser- Tiefenwasser,
  • Nutzung des Wassers früher,
  • Äußere Heilwirkung nach S. Kneipp und
  • Schlüsselbad - Geschichte.

Besonderheiten: Brunnentempel, Sophienquelle, Wassertretstelle, Wasserreservoir, 17 Infotafeln

Wegmarkierung:

Über Wasserlinien das Brunnentempelsymbol in blau auf hellem Grund.
Länge des Rundweges: 5,7 km Höhenunterschied: ca. 160m

Wir folgen den Wegmarkierungen des Wasserlehrpfades mit dem Brunnentempelsymbolen bis wir wieder im Tal sind und laufen etwa 200 m entlang der Fahrstraße.

Beim Brunnentempel der Peterstaler Mineralquellen verlassen wir diese wieder und gehen die „ Untere Allee" an der Rench entlang, über den Schulhof zum Ausgangspunkt zurück.

Die Rench, Foto ©waldeslust


LINKS & INFOS








Samstag, 7. Mai 2022

TANNE & FICHTE als Heilpflanzen und in der Küche

 PICEA ABIES syn. PICEA EXCELSA


Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen.List of Koehler Images


Aufrichtend bei Rückenschmerzen,
lindernd bei Erkältungen

So könnte man die Wirkung der ätherischen Öle und Harze von Tannen und Fichten wohl bildhaft beschreiben. Majestätisch aufrecht wie diese Nadelbäume im Gebirge wachsen, so richten sie uns auf, wenn wir unter der Kälte leiden und unser Immunsystem in die Knie gegangen ist. Und dazu noch der wunderbare ätherische Duft, der in natürlichen Tannen- und Fichtenwäldern unsere Lungen reinigen hilft...
"Die Tannenwälder in unseren Gebirgstälern verströmen einen harzigen weihrauchähnlichen Duft und vermitteln mit ihren imposanten Kronen den Eindruck einer großartigen Tannenlandschaft, durch welche die Sonne ihre Strahlen auf den Boden schickt. An ihren natürlichen Standorten wachsen die Tannen zu majestätischen Bäumen heran und können bis zu 50 Meter hoch werden." So heißt es im schweizerischen Alpmed-Ratgeber zur Tanne. 
Dazu eine kleine botanische Anmerkung: Tannen und Fichten werden oft miteinander verwechselt. Die Tannen, genauer als Weißtannen (Abies alba) bezeichnet haben eine hellgrau gefärbte Rinde, einen vogelhorstähnlichen Wipfel und die Zapfen stehen aufrecht, während die Fichten, auch Rottannen genannt (Picea abies), eine rotfarbene Borke haben, pyramidenförmig wachsen und hängende Zapfen. Fichtennadeln laufen dicht spiralförmig um den Zweig, während sie bei der Tanne sind eher parallel angeordnet sind. Beide sind eng miteinander verwandt und gehören zusammen mit den Kiefern, Lärchen, Latschen, Zedern und Douglasien, um die wichtigsten zu nennen, zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae).

Tannen-Buchenwald, Bad Peterstal-Griesbach. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss


Tanne und Fichte als Heilpflanzen

Beide enthalten ein nach Weihrauch duftendes Harz (Terpentin), und eben dieses ist es, was sie als Heilpflanzen so bedeutend macht. Es enthält ätherische Öle, so das aromatisch duftende Fichtennadelöl Piceae aetherolium (DAB). Nicht nur im Harz ist es enthalten, auch in den frischen Sprossen, Zweigspitzen und Nadeln.
"Die gewaltige Tanne mit ihren natürlichen Aufrichtekräften stärkt den Rücken und richtet die Wirbelsäule auf. Mit ihren ätherischen Ölen und balsamischen Harzen hilft sie vorbeugend bei Arbeiten im Freien, bei nass-kaltem Wetter, bei Sportvorbereitungen. Sie lindert Wetter-Schmerz, wirkt entzündungshemmend und auswurffördernd bei Erkrankungen der Atemwege. Unterstützend bei Rheuma, Husten, Bronchitis, Erkältungen, Gliederschmerzen, Unterkühlung, Zirkulationsstörungen, Durchblutung anregend". Quelle: Alpmed.
Verwendung: Die frischen Fichtenspitzen (Piceae turiones) und das aus den frischen, zerkleinerten Zweigen und den anhängenden Nadeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl (Fichtennadelöl - Piceae aetheroleum) finden Verwendung in der Heilkunde. Für beide werden identische Anwendungsgebiete beschrieben: Innerlich bei Erkältungskrankheiten der Luftwege. Äußerlich zur Behandlung rheumatischer Beschwerden (Wärmetherapie).
Der wässrige Auszug aus frischen Sprossen ergibt den Fichtennadelextrakt, Pinus abies (hom).
Ebenso können Ölauszüge hergestellt werden, z.B. mit Olivenöl, die sich sehr gut zum Einreiben auf Rücken oder Brust eignen.

Wirkstoffe: Hauptinhaltsstoffe sind ätherische Öle und Harz sowie Vitamine. Daneben enthält die Fichte Gerbstoffe, Ameisensäure, Invertzucker, Saccharose, Picein usw. Medizinisch wirksame Pflanzenteile sind Knospen, Nadeln, junge Triebe, Splintholz, Rinde und Harz. Sammelzeit ist das Frühjahr. Hauptbestandteil des Harzes ist das Terpentin. Es enthält ca. 20 % ätherisches Öl und 70 % reines Harz. (Hengel, 1987). Das ätherische Fichtennadelöl besteht aus einem Gemisch an Monoterpenen, je nach Quelle werden unterschiedliche Angaben gemacht, meist handelt es sich um Bornylacetat, Borneol, Pinen, Camphen, und andere Monoterpene, Frische Fichtenspitzen enthalten neben dem ätherischen Öl sekundäre Pflanzenstoffe wie die Flavonoide und Vitamine wie Vitamin C.

Wirkeigenschaften: Das ätherische Öl wird zum Einreiben bei Atemwegserkrankungen verwendet. Neben der Auswurf fördernden Wirkung ist es wirksam gegen Mikroorganismen. Auch Inhalationen eignen sich bei Erkältungskrankheiten aller Art. Dazu werden einige Tropfen des ätherischen Öls in eine Schüssel mit heißem Wasser gegeben und die aufsteigenden Dämpfe inhaliert. Die durchblutungsfördernde Wirkung des Fichten-, bzw. Tannennadelöl macht man sich bei Muskelverspannungen und Rheuma zunutze. Das Öl kann eingerieben werden oder in ein heißes Bad gegeben werden. Der Sirup aus den jungen Trieben kann innerlich verwendet werden.
Gegenanzeigen gibt es beim bei Asthma oder Keuchhusten, hier kann es zu Krämpfen kommen. Dies gilt jedoch nur für die reinen ätherischen Öle. Für Ölauszüge aus Fichtennadeln sind keine Nebenwirkungen bekannt. Sie können auch bei Kleinkindern und Säuglingen angewandt werden.

Junge Fichtentriebe im Mai
Von Original uploader was Walter J. Pilsak at de.wikipedia. 
Uploaded to Commons by Körnerbrötchen. - 
Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., CC BY-SA 3.0, 
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1751806

Ernte & Blüte: Triebspitzen, Tannensprossen von April bis Mai. In der Volksheilkunde wurden die Vitamin C haltigen frischen Sprossen im Frühjahr gegen Skorbut und bei Tuberkulose angewendet.

In der Küche: Die hellgrünen, jungen und noch dichten Triebspitzen der Picea abies schmecken frisch säuerlich und leicht herb zugleich, vergleichbar etwa mit harziger Zitrone. Wir stellen daraus im Frühjahr gerne ein Tannenspitzengelee her, das sich gut zu reiferen Käse macht. Auch ein Tannensprossensirup ist sehr lecker, zum Beispiel zu Ziegenkäse oder in einer Salatsauce. Die Sprossen können auch frisch zum Salat gereicht werden oder auch als säuerlich-aromatische Ergänzung zu einem Karottengemüse. Aus den jungen Triebspitzen kann man auch einen Tee zubereiten oder sie zu Schnaps brennen. Die Älteren Nadeln können als Trockengewürz zu Wild- oder Fleischbraten gereicht werden.


Rezept: Tannenspitzengelee

Zutaten
60 g getrocknete Tannenspitzen
oder 800 g frische Triebe
1 L Wasser
2 L Apfelsaft (naturtrüb)
2 Limetten oder Zitronen in Scheiben (unbehandelt)
2,5 Pk Gelierzucker à 500 g
(bzw. nach Packungsanweisung)

Zubereitung
Die Tannenschösslinge mit den Zitronenscheiben in dem mit Apfelsaft vermischten Wasser aufkochen, den Herd abschalten und zugedeckt etwa 1 Stunde ziehen lassen. Anschließend den Saft durch ein Tuch seihen. Den Sud mit dem Gelierzucker vermischen und aufkochen. Noch heiß durch einen Trichter in sterilisierte Weckgläser füllen und diese sofort verschließen. (Ergibt etwa 3 kg Gelee)

Spruce Beer: Nordamerikanische Ureinwohner verwendeten Fichtensprossen, um daraus ein haltbares Getränk herzustellen, mit dem auch in den Wintermonaten eine Vitamin-C-Quelle zur Verfügung stand. Die Kolonialmächte übernahmen diese Praxis, um Skorbut bei langen Schiffspassagen vorzubeugen.
In angelsächsischen Ländern wird immer noch ein Extrakt aus Fichtennadelsprossen als „Spruce Beer“ getrunken, ein Getränk aus Zuckersirup, Wasser und Hefe, auch wenn dieses auch nicht so populär ist, wie die Erfrischungsgetränke Root und Ginger Beer.

Tannenspitzen im Mai, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss



Maispitzen der Tanne, Bad Peterstal-Griesbach, Wasserlehrpfad. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss


Botanisches & Hintergründe

In den forstlichen Kulturwäldern Nord- und Mitteleuropa hat eindeutig die Fichte die Vorherrschaft. Erst mit 20 Jahren fängt sie an stark in die Höhe zu wachsen, bis 30 bis 40 m in die Höhe, manche erreichen sogar 50 m. Gemeinsam ist den Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen, dass sie statt Blättern Nadeln tragen und sind immergrüne Gewächse sind - bis auf die Lärche. Sie ist der einzige heimische Nadelbaum, der im Spätherbst seine nadelförmigen Blätter abwirft. Als Heilpflanze haben wir sie hier in unserem Blog zur LÄRCHE bereits beschrieben.

Vanillin: Der Blutungssaft enthält von März bis April den Grundstoff, aus dem Wilhelm Haarmann im Jahr 1874 erstmals das Vanillin synthetisierte. Die Fichte ist der Wirtsbaum einiger Honigtau erzeugender Schild- und Rindenläuse. Hierbei tritt in manchen Jahren, während der Austriebsphase, in welcher der Saft der Leitungsbahnen des Baums besonders zuckerhaltig ist, eine Massenvermehrung dieser Insekten auf. In der Folge kann dies zu einem guten Honigertrag (Waldhonig) von im Wald aufgestellten Bienenvölkern führen. Quelle: Gemeine Fichte, wikipedia


Fichtenbestand im Schwarzwald auf 1400 m, Feldberg. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss


Und noch ein paar Worte zum natürlichen Vorkommen der Fichte und ihrer Sturmbruchgefährdung in tieferen Lagen....

Wie oben schon beschrieben gehört die Fichte in Nord- und Mitteleuropa zu den beliebtesten forstlich genutzten Waldbäumen. Der natürliche Verbreitungsschwerpunkt der Fichte lag ursprünglich in den Bergwäldern der Mittelgebirge und den Alpen. Die natürlichen Fichtenwälder beginnen in den Bergen erst ab einer Höhe von 1500 m und reichen bis etwa 2000 m, in den Zentralalpen sogar bis 2400 m hoch. Heute sind diese Naturwälder selten geworden. Die Fichte mag keine Feuchtigkeit und trocken-kaltes Bergklima. Während das Verbreitungsgebiet der Weißtannen sich auf die feuchten Gebirge Mittel- und Südeuropas beschränkte. Im Schwarzwald wuchsen sie gerne an den feuchten Westseiten. Weißtannen können mächtige, bis etwa 70 Meter hohe Stämme entwickeln. Diese Bäume erreichen das stolze Alter von weit über 500 Jahren. Als Schiffsmasten waren die Schwarzwaldtannen in ganz Europa begehrt. Die in früheren Zeiten ausgedehnten, majestätischen Tannenwälder sind bei uns jedoch heute verschwunden.

Die in niedrigeren Lagen angepflanzten Fichtenwälder sind rein aus forstwirtschaftlichen Gründen zur Holz- oder Papiergewinnung angelegt. Da sie in niedrigeren Lagen schneller wachsen und ein weicheres Holz ausbilden, sind sie schädlings- und krankheitsanfälliger und wurden auch wegen ihres flachen tellerförmigen Wurzelwerks massenhaft Opfer von großen Stürmen wie Lothar 1999 und Kyrill 2007. Während die Tannen tiefer wurzeln und ein pfahlförmiges Wurzelsystem haben. Trotzdem hat der Bestand an Weiß-Tannen in den letzten 200 Jahren stark abgenommen. Sie gilt als die schadstoffempfindlichste einheimische Baumart und wurde durch den Sauren Regen, der durch den Schwefeldioxid Gehalt in Rauchgasen verursacht wurde sehr geschädigt. Dazu kam noch der Befall durch eingeschleppte Schädlinge und die Bevorzugung der Fichte gegenüber der Tanne im Waldbau.


Die Sturmschäden von Lothar sind noch immer sichtbar,
hier: Wald bei Haslach im Kinzigtal, Schwarzwald, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss


Quellen & Links


Fichtenzweig im Herbst, Haslach im Kinzigtal, Schwarzwald, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss